Practical Guide to Implementing Clinical Mass Spectrometry S

Practical Guide to Implementing Clinical Mass Spectrometry S

von Neil Leaver
  Taschenbuch

Preis: EUR 27,95

 

3.0 von 5 Sternen Zu hohe Erwartungen, aber profundes Sachbuch, 12. Oktober 2012

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Rezension bezieht sich auf: Practical Guide to Implementing Clinical Mass Spectrometry S (Taschenbuch)

Dieses Sach-/Fachbuch wendet sich an Spezialisten im Umfeld von Massenspektrometrie und Klinischer Chemie, ist insofern nichts für Otto Normalverbraucher und in Amazon eher ein Exot. Nichtsdestotrotz ist es gut, dass der Interessierte es hier bestellen kann, immerhin wird es ja in Grossbritannien verlegt und ist daher auch in (gut verständlichem) Fach-Englisch verfasst.
Der Autor hat profundes Fachwissen auf dem Gebiet und weiss um all die kleinen und grossen Fallen, in die man bei der Implementierung dieser Hochtechnologie im klinisch-chemischen Labor hineinlaufen kann. Immerhin hat er vor 10 Jahren als einer der ersten in England diesen Schritt gewagt, und versucht daher mit seinen Erfahrungen Berufskollegen vor Fehlern zu bewahren, die er womöglich damals gemacht hat. Das Thema ist auch nicht abgeschlossen, sondern entwickelt sich weiter (s.u.). Diese an sich wohlmeinende Idee ist aber meiner Meinung nach nicht ganz geglückt. Es werden Erwartungen durch den Verlag geschürt, die nachher im Buch nicht oder nur teilweise erfüllt werden, zudem ist der Preis für das dünne Heftchen" reichlich gepfeffert ausgefallen; dafür schon mal einen Stern Abzug, aber dafür kann der Autor nichts.
Dieser wiederum bleibt an vielen Stellen etwas schwammig und eiert" herum, weil er, wie er selbst einräumt, herstellerneutral bleiben will. Das hat womöglich juristische Gründe - wie so oft im modernen Leben. Ich betreibe dieses Business selbst und berate Leute, die sich eine solche Technologie anschaffen und aufbauen wollen. Auch ich versuche, möglichst neutral zu sein, was aber nicht immer gelingt. Die Hersteller - es gibt weltweit deren 6 - sind auch teilweise überhaupt nicht begeistert und möchten mich am liebsten weghaben (nicht alle). Daran sieht man, und das trifft nun auch wieder das Buch, wie hinderlich das Schielen auf die reinen Verkaufszahlen beim Zufriedenstellen der Kunden ist, eine Tatsache die sicher für viele andere Konsumgüter des täglichen Bedarfs ganz ähnlich gilt. Dieser Tatsache ist es wahrscheinlich zu verdanken, dass einige meiner (inhaltlichen) Erwartungen an das Buch nicht erfüllt werden und es bei Allgemeinplätzen und sog. Checklisten bleibt; das gibt dann den zweiten Stern Abzug.
Damit will ich's dann aber auch bewenden lassen und auch die positiven Dinge hervorheben. Alle wichtigen Dinge im Vorfeld, beim Kauf und der Inbetriebnahme eines LC/MS-Gerätes (Kosten 200-600T Euro) werden zumindest angesprochen, wenn auch nicht immer gelöst. Es werden technische und finanzielle Szenarien aufgezeigt und auch auf das Personal eingegangen, welches in die Lage versetzt werden muss, mit dieser Technologie angemessen umzugehen. Ein wichtiger Punkt, der von vielen Laborbetreibern gern unterschätzt wird, denn per se und von der Ausbildung her hat klinisch-chemischen Personal keine Ahnung von LC/MS. Dieses muss dann entsprechend aufgebaut werden. Kritisch wird durchaus damit umgegangen, dass die Hersteller nur verkaufen und den Betreiber dann sich selbst oder irgendwelchen Kit-Herstellern überlassen. Und die Jagd im gegenseitigen Wettbewerb immer neue Empfindlichkeits-Rekorde zum Nachweis kleinster Mengen einer Substanz in irgendeiner Matrix zu erreichen, ist auch nicht unbedingt im Sinn DIESER Klientel, die eigentlich Robustheit bei der Bestimmung von gar nicht so kleinen Konzentrationen eines Wirkstoffes oder Körperinhaltsstoffes braucht, dessen Konzentration eventuell lebenswichtig ist oder über eine Operation entscheidet, und zwar schnell und zuverlässig.
Das Buch zeigt auf, das hier ein langer Weg zu gehen ist. Es liegt eine Spitzentechnologie vor, aber die Hersteller sind eigentlich erschreckend wenig daran interessiert, sich auf den klinisch-chemischen Markt wirklich einzulassen". Lieber macht man die schnellen Dollars mit Hardware-Verkäufen in Ecken, wo eh die Spezialisten sitzen (Pharma, Umwelt). Ob sich daran in absehbarer Zeit etwas ändern wird, muss man sehen; das vorliegende Buch öffnet zumindest den Betroffenen im Klinischen Umfeld die Augen und Ohren, nicht alles blind zu glauben, was Ihnen die Hersteller versprechen. Damit hat es zumindest seinen Zweck schon zu einem grossen Teil erfüllt.